Gebäudebeschreibung

 

Der quadratisch angeordnete dreistöckige Gebäudekomplex mit einem großen Innenhof ist in seiner architektonischen Gestaltung einmalig. Mit seinen Türmen, Kuppeln, mit der umlaufenden Galerie und den reichen Schnitzereien und Verzierungen ist das Bauwerk den besten Traditionen der russischen Holzbaukunst nachempfunden.

Das äußere Erscheinungsbild wird geprägt durch drei Türme mit unterschiedlichen Bedeutungen: herausragend und den Komplex weithin sichtbar prägend thront der Glockenturm auf der Glockengießerei. Er wird gekrönt durch die stilisierte und mit Blattgold bedeckte Nachbildung der über 200 Tonnen schweren Zarenglocke aus Moskau (gegossen 1735), der größten jemals gegossenen Glocke der Welt. Auf der Glocke thront in Holz geschnitzt mit einer Höhe von rund 6 Metern der Heilige Joseph als Schutzpatron der Handwerker und Künstler.

Den Turm zieren zudem Rundbögen, die der byzantinischen Architektur entstammen. Diese sollen zukünftig ca. 20 Glocken aufnehmen, die dann einmal eines der größten Glockenspiele Europas bilden. Ein Relief, dessen Vorbild sich an der Sankt-Peter-Kirche in Straßburg im Elsass befindet, zeigt den „Zug der Nationen zum Kreuz“. Diese Darstellung ziert den Turm der Glockengießerei unterhalb des zukünftigen Glockenspiels.

Die Hauptfront zeigt eine Darstellung auf der Grundlage des Gemäldes „Klangprüfung der Freiheitsglocke von Amerika in der Glockengießerei Pass & Stow in Philadelphia im Jahre 1753“ (es zeigt neben dem Glockengießer Stow aus Malta auch Benjamin Franklin). Die Amerikanische Freiheitsglocke diente später als Vorbild für die Freiheitsglocke im Schöneberger Rathaus Berlin.

In der Glockengießerei werden Besucher die Möglichkeit haben, sich über die Kunst des Glockengießens zu informieren. Als Partner für diesen Bereich konnte die traditionsreiche Königliche Glockengießerei der Niederlande „Royal Eijsbouts“ gewonnen werden, die auch die Europäische Freiheitsglocke für Gifhorn gegossen hat. Ein kleines Museum zur Glockengießerkunst wird weitere Informationen liefern. Die Gießerei soll zudem ein Ort der Aus- und Weiterbildung werden. Die künstlerische Ausgestaltung der Gießerei erfolgt mit mehreren Wandgemälden, die Glocken-Motive zeigen. Eine Wand wird bereits durch das große Gemälde „Die Glocken von Rostov am Don“ geziert.

Der zweite Turm ist den berühmten neun Kuppeln der Maria-Schutz-Kirche von 1764 in Kishi (Russland) nachempfunden, dessen Original auf Grund seiner architektonischen und künstlerischen Bedeutung zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Dieser Turm prägt mit seinen goldenen Wetterfahnen und Dachreitern das im traditionellen russischen Holzbaustil errichtete Europäische Kunsthandwerker-Institut, das im linken Gebäudeflügel untergebracht ist. Hier haben Künstler und Kunsthandwerker aus West- und Osteuropa die Möglichkeit, in Werkstätten und Ateliers zu arbeiten und ihre Werke zu präsentieren. Das Obergeschoss verfügt über einen großen Ausstellungsraum, in dem die Kunsthandwerker ihre selbst hergestellten Arbeiten den Besuchern präsentieren und auch zum Erwerb anbieten können.

Weiterhin ist diese Etage dem Wirken des Schirmherrn Michail Gorbatschow gewidmet. In einem eigenen Ausstellungsraum zeigen Schautafeln mit Fotos und weiteren Informationen den Lebensweg des Friedensnobelpreis-Trägers sowie Eindrücke von seinen Besuchen in Gifhorn anlässlich der Grundsteinlegung und der weiteren baulichen Entwicklung.

Die berühmte Dreifaltigkeits-Ikone des russischen Ikonen-Malers Andrej Rubljow an der Frontseite dieses Gebäudetraktes (das Original erschuf er 1425 für die Kirche des Dreifaltigkeitsklosters im heutigen Sagorsk) unterstreicht die Intention, dem sakralen osteuropäischen Kunsthandwerk an diesem Ort eine besondere Bedeutung zu geben.

Der dritte Gebäudeteil ist auf zwei Ebenen mit jeweils ca. 600 Quadratmetern dem Wirken Albert Schweitzers und weiterer Friedensnobelpreisträger gewidmet. Hier wird zukünftig über Themen wie Menschwürde, Umwelt-, Klima- und Tierschutz informiert. Die hellen, großzügig angelegten Räumlichkeiten können darüber hinaus für Ausstellungen, Konferenzen, Empfänge und sonstige hochkarätige Veranstaltungen genutzt werden. Dank des Deutschen Albert Schweitzer Zentrums in Frankfurt (Main) wird hier bereits eine große Ausstellung über das Leben und Wirken Schweitzers gezeigt.

Insbesondere Schulklassen soll die Möglichkeit gegeben werden, sich hier mit ethischen und moralischen Fragen im Sinne der Friedensnobelpreisträger zu befassen. Geplant ist, diesen Gebäudeteil in Kooperation mit verschiedenen internationalen Organisationen zu beleben, die sich den oben genannten Themen verschrieben haben.

Die Frontseite des Turms ziert ein Gemälde des Malers Andreas Albrecht.
Es zeigt in zeitgenossischem Stil den Auszug der Tierwelt von der durch negative Umwelteinflüsse zerstörten Erde und knüpft damit an das Wirken Albert Schweitzers zu Gunsten eines Engagements für den Tier- und Umweltschutz an. Albert Schweitzer ziert als Statue bereits die Vorderfront dieses Gebäudes. Im Erdgeschoss befindet sich eine kleine Caféteria,deren Räumlichkeiten mit Bildern und Dekorationsstücken zu Glocken aus verschiedenen Ländern der Welt ausgestaltet sind.

Der große Innenhof eignet sich für Freiluftveranstaltungen wie Konzerte oder sonstige kulturelle Darbietungen. Im Umfeld des Gebäudekomplexes besteht zudem die Möglichkeit, großvolumige Kunstwerke aufzustellen und zu präsentieren (z. B. Skulpturen). Eine Allee führt vom Eingangsportal am Parkplatz durch den 2009/2010 neu angelegten Glockenpark direkt zum Glocken-Palast. Bedeutendes Element dieser Allee ist das 2007 errichtete Einheitsdenkmal „Europäische Freiheitsglocke“.

Planung und architektonische Gestaltung des gesamten Projekts lagen beim Bauherrn Horst Wrobel. Auch die weitere Realisierung des anspruchvollen Vorhabens liegt in seiner Verantwortung.

Textversion Englisch (PDF)

Textversion Russisch (PDF)

 

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