Entstehungsgeschichte

Mit der Einweihung der ukrainischen (damals noch sowjetischen) Windmühle „Natascha“ am 4. September 1988 im Internationalen Mühlenmuseum begannen intensive Kontakte nach Osteuropa. Aus den Aktivitäten rund um den der Bau dieser Mühle erwuchs eine intensive Freundschaft zwischen Horst Wrobel und dem serbisch-orthodoxen Bischof Lavrentije sowie eine Städtepartnerschaft zwischen Gifhorn und Korssun-Schewtschenkiwski (heute Ukraine).

Am 25. Oktober 1991 fand auf Initiative des damaligen Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Dr. Carl H. Hahn im Internationalen Mühlenmuseum die Abschlussveranstaltung des I.P.I-Kongresses (International Partnership Initiative) mit ca. 600 hochrangigen Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft statt, an der u. a. auch Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Fiat-Vorstandsvorsitzender Giovanni Agnelli teilnahmen. Zu den bedeutendsten Gästen des Kongresses gehörten auch Raissa und Michail Gorbatschow. Im Rahmen der Abschlussveranstaltung wurde durch den inzwischen verstorbenen Glockengießer Hans August Mark eine Glocke für St. Petersburg gegossen. Im September 1992 besuchten der heutige russische Präsident Wladimir Putin, der damalige weißrussische Parlamentspräsident Stanislav Schuschkewitsch sowie St. Petersburgs Bürgermeister Anatoli Sobtschak das Internationale Mühlenmuseum, um die Glocke für St. Petersburg persönlich in Empfang zu nehmen. Den Gästen konnte dabei von Horst Wrobel erstmals das Projekt „Europäisches Kunsthandwerker-Institut“ anhand eines maßstabsgerechten Modells vorgestellt werden.

Grundgedanke für das Institut war von Beginn an, das Wiedererblühen sakralen Kunsthandwerks in den Ländern Osteuropas nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zu unterstützen und dadurch einen Beitrag zur Erhaltung und Vermittlung historischen Kulturguts zu leisten. Dementsprechend erhielt das Projekt seine Bezeichnung „Europäisches Kunsthandwerker-Institut – Die Brücke“. Westliches Know-How sollte mit östlicher Kultur, Kunst und Tradition verbunden werden und auf diese Weise eine Lehr- und Begegnungsstätte entstehen, die der Aus- und Weiterbildung talentierter junger Kunsthandwerker dient. Um die Idee zu forcieren und eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, wurde am 1. Dezember 1992 im „Trachtenhaus“ des Mühlenmuseums eine Konferenz durchgeführt, an der geistliche Vertreter orthodoxer Kirchen Osteuropas, Vertreter der hiesigen evangelischen und katholischen Kirche, Politiker, Repräsentanten von Behörden, Verwaltungen, aus Wirtschaft, Vereinen und Verbänden teilnahmen. Das Projekt sollte seinem Zweck entsprechend auf eine breite Träger- und Unterstützerbasis gestellt werden. Hauptredner dieser feierlichen Veranstaltung war der damalige Erzbischof und heutige Metropolit von Tscherkassy (Ukraine) Sofronij.

Im früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow fand Hauptinitiator Horst Wrobel einen geeigneten Schirmherrn, dessen Persönlichkeit die Bedeutung dieses Projektes für den Austausch zwischen West- und Osteuropa unterstreichen soll. Anlässlich eines persönlichen Gesprächs in seinem Moskauer Büro erklärte Michail Gorbatschow im Februar 1995 offiziell die Übernahme der Schirmherrschaft für das „Europäische Kunsthandwerker-Institut“. Einen Monat später besuchte Prof. Valentin Tolstych, damaliger Direktor für Kulturforschungen in der Gorbatschow-Stiftung, das Internationale Mühlenmuseum und die bereits im Bau befindliche russisch-orthodoxe Holzkirche des Heiligen Nikolaus (errichtet als symbolischer Dank an Russland für dessen Beitrag zu friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands), um sich einen persönlichen Eindruck von den bereits laufenden Aktivitäten und Plänen für das Kunsthandwerker-Institut zu verschaffen. Dabei stellter er auch in Aussicht, dass Michail Gorbatschow zu einem Besuch nach Gifhorn reisen würde, wenn das Kunsthandwerker-Institut gegründet sei.

Um das Projekt realisieren zu können, wurde im Oktober 1995 der gemeinnützige Trägerverein „Die Brücke“ e.V. gegründet. Ziel des Vereins, dem auch zahlreiche Vertreter aus Gifhorns Wirtschaft, Politik und Verwaltung angehörten, war die Errichtung und der Betrieb des Kunsthandwerker-Institutes sowie das Aufbringen der dazu benötigten finanziellen Mittel u. a. durch Spenden- und Sponsorengelder sowie öffentliche Zuwendungen. Bauherr, Träger und Betreiber des Institutes sollte ausschließlich dieser Verein sein.

Am 19. September 1996 legte Schirmherr Michail Gorbatschow zusammen mit seiner Frau Raissa in Anwesenheit zahlreicher geladener Gäste, darunter Erzbischof Longin (Russisch-orthodoxe Kirche) und Bischof Lavrentije (Serbisch-orthodoxe Kirche), persönlich den Grundstein für das Institut. Als weiterer wichtiger Vertreter der Gorbatschow-Stiftung war Prof. Valentin Tolstych anwesend, der das Projekt von Beginn an wesentlich unterstützt hat.

Ansprache von Michail Gorbatschow zur Grundsteinlegung

Nach der Grundsteinlegung führten interne Probleme des jungen Vereins sowie abweichende Auffassungen zur Projektfinanzierung zu einer Neuausrichtung. Der Planer des Bauwerks, Horst Wrobel, der bereits alle Entwürfe fertig gestellt hatte, hielt an seiner Idee für das Kunsthandwerker-Institut fest. Er übernahm Anfang 2007 die volle Verantwortung für das Projekt. Er meinte zu Recht, dass man einen Mann wie Michail Gorbatschow nicht vor den Kopf stoßen dürfe. Der Trägerverein wurde in der Folge in einen Förderverein unter einem neuen Vorstand umgewandelt.

Im April 2007 begann Horst Wrobel auf eigenes finanzielles Risiko, sowie auf das des Internationalen Mühlenmuseums, mit dem Bau des Europäischen Kunsthandwerker-Institutes, wobei er zunächst eine Bauzeit von zwei Jahren veranschlagte. Mangels öffentlicher Unterstützung (entgegen seinen Erwartungen gab es keine Förderung durch Stadt und Landkreis Gifhorn, Land Niedersachsen und Bund bzw. Europäische Union) musste das Projekt jedoch in kleinere Bauabschnitte unterteilt werden und bis zur Fertigstellung war es ein weiter Weg. Auch der Förderverein war letztlich nicht in der Lage, sich an den Baukosten zu beteiligen. So wurden aus einer geplanten Bauzeit von zwei Jahren am Ende 15 Jahre. Zahlreiche bürokratische Hürden taten ein Übriges. Auch sie mussten aufwendig überwunden und finanziert werden.

Das Konzept für das Gesamt-Projekt musste im Laufe der langen Bauzeit teilweise überarbeitet und neuen Erfordernissen angepasst werden. Im Juni 2002 besuchte Schirmherr Michail Gorbatschow den weitgehend fertig gestellten ersten Bauabschnitt (nördlicher Gebäudeteil). Erst 2007 konnte der äußere Bau weitgehend abgeschlossen werden, es waren jedoch noch viele kleinere Arbeiten und der restliche Innenausbau zu leisten. Im Sommer 2007 konnte in Trägerschaft des Vereins „Die Brücke“ e.V. auf der Freifläche vor dem Gebäude das Einheitsdenkmal „Europäische Freiheitsglocke“ errichtet und am 9. November 2007 feierlich eingeweiht werden.

Erst im Sommer 2009 und im Frühjahr 2010 gelang schließlich die seit vielen Jahren geplante Geländegestaltung durch das Ausbaggern der heutigen Gewässer sowie die endgültige Erschließung des Kunsthandwerker-Institutes, indem eine große Allee vom Parkplatz vorbei an der „Europäischen Freiheitsglocke“ angelegt wurde. Das Gebäude trägt inzwischen seinen endgültigen Namen „Glocken-Palast“. Die lange Bauzeit von 16 Jahren, erhebliche Kosten für zusätzliche Planungs- und Genehmigungsverfahren und immer wieder unternommene Versuche von verschiedenen Seiten, das gesamte Projekt zu Fall zu bringen, haben den Visionär und Bauherrn Horst Wrobel jedoch nicht davon abhalten können, es zu verwirklichen. Am 8. Mai 2013 kann kann das Gebäude nun endgültig seiner Bestimmung übergeben und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Aus einer Vision wurde Realität – auch wenn auf öffentliche Unterstützung, trotz zahlreicher gestellter Anträge und Bittbriefe, verzichtet werden musste. Selbst ein im August 1998 vom Schirmherrn Michail Gorbatschow an die Stadt Gifhorn gerichtetes Schreiben mit der Bitte um Unterstützung des Projektes blieb ohne Erfolg.

Für die Zukunft ist vorgesehen, das Projekt in eine Stiftung zu überführen und damit seine Zweckbestimmung dauerhaft abzusichern.

Textversion Englisch (PDF)

Textversion Russisch (PDF)

 

9-1_putin-feier 8-tolstych-wrobel 7-5_ansprache_gorbatschow 6-sofronij-wrobel 5-5_turmmodell 4-6_gorbatschow_braun 3-7_kuppeln-wrobel 2-8_kuppeln_4 1-9_gelaendegestaltung-2