Europäische Freiheitsglocke

 

Das Einheitsdenkmal „Europäische Freiheitsglocke“ wurde 2007 auf einer Freifläche vor dem Glocken-Palast errichtet. Es erinnert an den Fall des „Eisernen Vorhangs“ und an die in Frieden und Freiheit wiedererlangte Einheit Deutschlands und Europas.

Bauherr und Eigentümer des Denkmals ist der gemeinnützige Verein Die Brücke e.V., dessen satzungsgemäße Hauptaufgabe in der Förderung der Völkerverständigung, insbesondere zwischen Ost- und Westeuropa, besteht. Initiator und Planer für das Denkmal ist der Bauherr des benachbarten Glocken-Palastes, Horst Wrobel.

Der Verein hat das Denkmal ohne öffentliche Unterstützung und Förderung errichtet, zahlreiche Förderanträge an verschiedene öffentliche Stellen, Institutionen und Stiftungen (darunter Stadt und Landkreis Gifhorn) wurden abgelehnt. Um das geplante Projekt, dessen Schirmherrschaft der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff übernommen hatte, dennoch realisieren zu können, war der Verein darauf angewiesen, die benötigten Gelder (allein der Guss der Glocke kostete fast 180.000 Euro) so weit wie möglich durch Spenden zu beschaffen. Zusätzlich wurde ein größeres Privat-Darlehen gewährt, ohne welches die Finanzierung nicht gelungen wäre. Hierdurch konnte das Denkmal innerhalb eines Jahres errichtet werden.

Die Tatsache, dass dieses Denkmal ausschließlich durch private Initiative und ohne öffentliche Unterstützung errichtet werden musste, unterstreicht den Gedanken, dass Initiativen, Aktivitäten und Projekte zur Überwindung von Grenzen, zur Völkerverständigung und zur Friedenssicherung aus dem Volk bzw. aus den Völkern heraus wachsen müssen und dass in so wichtigen Fragen nicht auf Politik und Verwaltungen gewartet werden darf. Insofern hat das einzigartige Denkmal auch den Status eines „Denkmal des Volkes“. Die Rufe bei den Montagsdemonstrationen „Wir sind ein Volk“ sind hier quasi symbolisch in Bronze gegossen.

Zentraler Bestandteil des Denkmals ist die „Europäische Freiheitsglocke“ mit einem Gewicht von über zehn Tonnen. Sie ist nicht nur die größte Glocke Niedersachsens, sondern zugleich eine der größten Glocken Deutschlands. Als Mittelpunkt eines Denkmals von europäischer Bedeutung ist sie sogar einzigartig.Für den Guss der Glocke konnte die traditionsreiche Königliche Glockengießerei der Niederlande Royal Eijsbouts in Asten gewonnen werden. Alle Vorlagen für Verzierungen, Beschriftungen und Portraits auf der Glocke wurden im Glocken-Palast in Gifhorn hergestellt und nach Asten geliefert. Die Spezialisten der niederländischen Gießerei fügten diese fachgerecht in die Gussform ein. Am 28. Juni 2007 konnte die über zehn Tonnen schwere Bronze-Glocke in einem feierlichen Akt gegossen werden. Hierzu waren auch die Initiatoren und Projekt-Unterstützer nach Asten gereist, um den bedeutungsvollen Augenblick des Glockengusses mitzuerleben.

Die Glocke soll der Freude Ausdruck verleihen, dass durch den friedlichen Fall der Grenzen neue Möglichkeiten für ein zukünftiges Miteinander der Menschen in verschiedenen Ländern Europas und der Welt möglich wurden. Sie soll aber gleichzeitig zukunftsgerichtet auch ermuntern, Trennendes immer wieder friedlich zu überwinden.

Nachfolgende Generationen werden erinnert an die Leistungen der mutigen Staatsmänner Michail Gorbatschow (Sowjetunion), George Bush sen. (USA), Gyula Horn (Ungarn) und Helmut Kohl (Deutschland). Auf der Glocke wurden die Portraits dieser Persönlichkeiten abgebildet nebst eigens von ihnen persönlich für die Glocke verfassten Widmungen. So ist dieses Denkmal ein Unikat und wird selbst geschichtlichen Charakter erlangen.

Folgende Widmungen haben die genannten Staatsmänner für die Europäische Freiheitsglocke verfasst:

  • „Das Läuten der Freiheitsglocke von Gifhorn wird in jedem Haus zu hören sein.“ (Michail Gorbatschow)
  • „Die deutsche Wiedervereinigung wird von Historikern als eines der tiefgreifendsten, historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts gesehen werden – der Friede in Europa machte einen großartigen Schritt vorwärts. Ich habe Hochachtung vor Bundeskanzler Kohl und Michail Gorbatschow für ihre entscheidende Rolle bei der friedlichen Vereinigung Deutschlands.“ (George Bush sen.)
  • „Das Läuten der Glocken, das Schlagen des Herzens und der Handschlag sind die Boten von morgen.“ (Gyula Horn)
  • „Die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes in Frieden und Freiheit ist ein Grund zu großer Freude und Dankbarkeit. Dieses Glück verpflichtet uns, auch die Einigung Europas voranzutreiben.“ (Helmut Kohl)

Tafeln an den Säulen des Denkmals zeigen weitere Persönlichkeiten, die in Verbindung mit der Teilung Deutschlands und Europas bzw. mit der friedlichen Öffnung der Grenzen Geschichte geschrieben haben: Ernst Reuter (Regierender Bürgermeister von West-Berlin zu Zeiten der Berliner Blockade), Lech Walesa (ehemaliger Vorsitzender der polnischen Gewerkschaft Solidarnosz, ehemaliger Staatspräsident Polens und Friedensnobelpreisträger), Papst Johannes Paul II. und der frühere DDR-Politiker Günter Schabowski.

Für das Denkmal haben weiterhin der damalige Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Karl Kardinal Lehmann (damaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz) und Bischof Wolfgang Huber (damaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands) persönliche Widmungen verfasst, die den Glockenturm zieren:

  • „Einigkeit und Recht und Freiheit – diese Werte sind uns Auftrag im geeinten Deutschland, im vereinten Europa und in der Einen Welt.“ (Bundespräsident Horst Köhler)
  • „Diese Glocke erinnert uns Deutsche an den kostbaren Schatz der deutschen Einheit. Sie mahnt uns, dem Frieden und der Freiheit in Europa und in der Welt zu diesen.“ (Bundeskanzlerin Angela Merkel)
  • „Selig, die Frieden stiften (Mt. 5,9) – davon töne die Glocke. Die christlichen Wurzeln Europas gemahnen: Friede und Freiheit nur mit der Hilfe Gottes.“ (Karl Kardinal Lehmann)
  • „Die Glocke ruft zum Gebet um Gottes Hilfe für Frieden und Freiheit in Europa.“ (Bischof Wolfgang Huber)

Auf acht rund um das Denkmal aufgestellten Tafeln sind bedeutende Ereignisse der deutschen und europäischen Geschichte zwischen 1933 und 2007 zu sehen, beginnend mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten, dem daraus resultierenden Zweiten Weltkrieg, der Verbreitung von Terror, Schrecken, Zerstörung, Völkermord und Vertreibung in ganz Europa, dem Ende des Krieges, der Teilung Deutschlands und Europas bis hin zur friedlichen Wiedervereinigung und der Errichtung des an diese so wichtige Epoche unserer Geschichte erinnernden Denkmals „Europäische Freiheitsglocke“.Die Glocke hängt an einem großen Kreuz, das durch Stacheldraht und 137 kleinere Kreuze „gezeichnet“ ist.

Der Stacheldraht steht symbolisch für den ehemaligen „Eisernen Vorhang“.
Die Kreuze erinnern an die vielen Menschen, die an der früheren innerdeutschen Grenze zu Tode kamen bzw. die als politisch Verfolgte inhaftiert wurden.

Das Einheitsdenkmal Europäische Freiheitsglocke steht nur wenige Kilometer von der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfernt im früheren „Zonenrandgebiet“ und bildet für die nachfolgenden Generationen zusammen mit dem benachbarten Glocken-Palast eine bedeutende Gedenk- und Informationsstätte zur jüngeren deutschen und europäischen Geschichte.

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Textversion Russisch (PDF)

Gedenktafeln zur deutschen und europäischen Geschichte (PDF)

 

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